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Die alte Kapelle wird belebt...
Berner Zeitung vom 20.9.2001
Bruno Messerli


Die im Kanton Bern einzigartige und über 200 Jahre alte Kapelle in Blumenstein wird renoviert und neu genutzt.

In Blumenstein steht seit Ende des 18. Jahrhunderts eine Kapelle, wie sie im Kanton Bern wohl einmalig ist. Mit ihrem Rundum-Dach ohne First, dem ehemaligen Messeraum und dem Keller mit gewölbter Decke ist diese Kapelle ein Bijou.Nach vielen Jahrzehnten in der Versenkung will Katharina Wenger, Besitzerin der Kapelle und des Restaurants Bad in Blumenstein, die Kapelle mit einer schonenden Restauration einer neuen Nutzung zuführen. Es bestehen schon konkrete Vorstellungen, wofür die Kapelle dereinst verwendet werden könnte.

Kapelle gehört zum Bad

«Kleine Gruppen hätten die Möglichkeit, in der Kapelle zu übernachten. Immerhin führt der Jakobsweg durch Blumenstein. Auch kleine Feiern wie Taufessen oder eine Vernissage könnten in der Kapelle durchgeführt werden. Verpflegungsmöglichkeiten sind vorhanden, denn das Restaurant Bad befindet sich in unmittelbarer Nähe», hält Katharina Wenger fest. Der Kapellenkeller kann voraussichtlich bereits im nächsten Jahr benutzt werden.

Gliederbad Blumenstein

Von den «Bäder zu Blumenstein» ist erstmals 1592 in den Akten des Thuner Schultheissen die Rede. Peter Wenger erhielt 1611 die Erlaubnis, ein Badhaus zu errichten, und 1640 wurde dem Badwirt Hans Rohr das Weinschankrecht gewährt.

Blumenstein galt als Gliederbad. Das grosse Badhaus mit 24 Schlafkammern, acht Bädern zu zwei bis drei Wannen und dem Tanzsaal wurde 1770 durch Landmajor Müller von Amsoldingen gebaut. Ab diesem Zeitpunkt verfügte der «Inselspittel» dauernd über acht Betten. 1782 übernahm Johann Rudolf Frisching (1761-1838) von Rümligen das Blumenstein-Bad und übergab es 1823 seinem Schwiegersohn Friedrich von Wattenwyl.

Hoher Besuch im Bad

Im letzten Viertel des 18. Jahrhunderts genoss Blumenstein das Wohlwollen des Berner Stadtarztes Daniel Langhans (1727-1813), der zuvor an den Hof Ludwigs XV. berufen wurde. Sein ausgezeichneter Ruf brachte dem «Badhaus Blumenstein» entsprechend angesehenen Besuch.Dem Badhaus gegenüber lag das Wirtschaftsgebäude mit der Gaststube, der Wirts- und Gesindewohnung und den Stallungen. Dahinter befand sich das Haus mit Speisesaal, Küche und 13 Gästezimmer. 1874 brannte diese Häusergruppe ab, worauf das heutige Haupthaus entstand.

Badebetrieb bis 1980

1899 konnten die Zimmer zum Pensionspreis von 3,50 bis 5 Franken angepriesen werden. Bis etwa 1980 wurden die «Bäder zu Blumenstein» betrieben.1967 errichtete die Wirtefamilie zwischen der Kapelle und dem Tanzsaal einen Campingplatz. 1985 übernahmen Walter und Katharina Wenger den Gastbetrieb. 1994 verstarb der Badwirt der zweiten Generation, Hans Wenger, und zwei Jahre später auch sein Sohn Walter Wenger. Im selben Jahr brannte der Tanzsaal nieder. Katharina Wenger, die Badwirtin der dritten Generation, führt das Unternehmen mit ihren drei Söhnen.



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